Montag, 29. August 2011

Flugstunde


Wenn sich die Nahtstellen unserer Lust
wie Tiere ineinander schmiegen,
dann sind wir endlich aus einem Guss,
können wir fliegen.

Die Sprache



Eine alte Stadt mit kleinen, verwirrten Gassen,
und Plätzen mit dem Charakter uralter Verwunschenheit.

Brücken, deren Pfeiler rosten,
über verschwiegenen Flüssen,
die sich eilig sehnend dem Meer entgegenstürzen.

Mit lichten Bezirken und gepflegten Vorgärten,
- unklare Vergangenheit und ungewisse Zukunft.

Gegenden unbeschreiblicher Düsternis,
in denen der Moder blüht,
und jede Erinnerung verborgen bleibt- Schutt und Asche.

Mauern babylonischer Höhe,
die Winkel bilden,
sich dem Himmel unduldsam entgegenrecken.

Gewirr von Strassen,
unaufgelöst, voller Knoten,
ohne Anfang, ohne Ende.

Der Kinderkreuzzug



Der Zug der Kinder nähert sich auf krummen Wegen,
sie kommen zahlreich,
ihr Land in Besitz zu nehmen.
Sie werden nicht mehr bitten,
sich nichts mehr verbieten lassen,
ihre Zeit ist gekommen,
sie wissen, wir sind alt geworden.
Ihre Augen, wie Leuchtmunition am Himmel unseres Alptraums.
Schrammen und blaue Flecken, tiefe Wunden sind ihr Wappen,
daran sollt ihr sie erkennen,
und am Strahlen ihrer geknechteten Seelen.
Versucht nichts, flieht nicht, kämpft nicht,
denn ihre Rache ist gerecht.

Daunenfeder


Er ist ein Künstler,
was soll man dazu noch mehr sagen,
ein Schöngeist,
lebt in seiner Welt
und tritt erschrocken vor dem Leben zurück.

Er wird noch einmal viel bedeuten,
wenn er bis dahin überlebt,
wird sich, womöglich,
über viele noch erheben,
wenn er nicht untergeht.

Noch erinnert er an einen,
der wie ein schönes, scheues Tier,
das helle Licht in seinen Augen fängt,
und still steht.

Zu zart, zu weich, zu fein gegliedert,
ein Kolibri im Adlerhorst,
gebt ihm ein Kleid, das nicht sehr drückt
und ihn bis zu seiner Zeit beschützt.